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<title>Jász</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Jász</span></h1>
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<p>Die <b><span lang="hu">Jász</span></b> (ungarisch, Plural <i><span lang="hu">Jászok</span></i>) oder <b>Jassi</b>, <b>Jassen</b>, <b>Jazonen</b> oder fälschlich historisierend <b>Jazygen</b> waren ein vormals <a href="Iranische_Sprachen" title="Iranische Sprachen">iranischsprachiger</a> Verband, der im 13. Jahrhundert in das Gebiet des heutigen <a href="Ungarn" title="Ungarn">Ungarn</a> eingewandert war. Ihre um das 16. Jahrhundert vom <a href="Ungarische_Sprache" title="Ungarische Sprache">Ungarischen</a> verdrängte Sprache war eng mit der <a href="Ossetische_Sprache" title="Ossetische Sprache">ossetischen Sprache</a> verwandt. Mit Unterbrechung durch die <a href="Geschichte_Ungarns#Türkenkriege_–_Ungarn_„dreigeteilt“" title="Geschichte Ungarns">Türkenzeit</a>, als das Gebiet der Jász im osmanischen Teil Ungarns lag, gehörten sie bis Mitte des 19. Jahrhunderts zu den mit besonderen autonomen Privilegien vom Feudalsystem des Königreichs ausgestatteten Gruppen. Seit dem Spätmittelalter wurden die Jász in Ungarn oft in einem Atemzug mit den <a href="Turksprache" class="mw-redirect" title="Turksprache">turksprachigen</a> <a href="Kiptschak_(Volk)" title="Kiptschak (Volk)">Kumanen</a> genannt, welche in einer benachbarten Region lebten und mit den Jász zum Teil gemeinsame Verwaltungsstrukturen ausbildeten. Im Spätmittelalter bis in die Frühneuzeit lebten auch in anderen Regionen, wie im <a href="F%C3%BCrstentum_Moldau" title="Fürstentum Moldau">Fürstentum Moldau</a>, einige Jassen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siedlungsgebiet">Siedlungsgebiet</h2></div>
<p>Die Nachkommen der Jász leben in der Region <span lang="hu">Jászság</span> (deutsch früher auch <b>Jazygien</b> genannt, bis 1876 ein Komitat von 1100 Quadratkilometern, aber relativ dünn besiedelt), dem nordwestlichen Teil des heutigen <a href="Komitat_J%C3%A1sz-Nagykun-Szolnok" title="Komitat Jász-Nagykun-Szolnok">Komitat Jász-Nagykun-Szolnok</a>, dessen Zentrum die Stadt <a href="J%C3%A1szber%C3%A9ny" title="Jászberény">Jászberény</a> ist. An Jassen in anderen Regionen gibt es heute keine kollektive Erinnerung mehr.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Herkunft_und_Name">Herkunft und Name</h2></div>
<p>Die Jász gehen auf im 13. Jahrhundert nach Ungarn vermutlich aus dem Steppenvorland des <a href="Nordkaukasus" title="Nordkaukasus">Nordkaukasus</a> eingewanderte <a href="Alanen" title="Alanen">Alanen</a> zurück. Pálóczi-Horváth denkt darüber nach, ob sie Nachkommen einer aus Quellen des 10. Jahrhunderts bekannten Gruppe von Alanen aus der Gegend von <a href="Kiew" title="Kiew">Kiew</a> waren, die sich aber archäologisch nicht nachweisen lässt und von der fraglich ist, ob sie im 13. Jahrhundert noch existierte,<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> die Herkunft aus dem Nordkaukasus ist also wahrscheinlicher.
</p><p>Der Name der Jász/Jassen geht wohl auf die Selbstbezeichnung einer (vielleicht westlichen) Gruppe der Alanen zurück, der etwa <i>Ās</i> geheißen haben muss und von der z. B. die georgisch-mittelalterliche Bezeichnung der Alanen <i>os/ows</i> (<a href="Osseten" title="Osseten">os-eti</a> heißt ursprünglich georgisch „Land der Os“) und die russisch-mittelalterliche Bezeichnung <i><span lang="ru-Cyrl" class="Cyrl">Ясы</span> (Jassy)</i> kommen dürfte. Aus dem frühen 13. Jahrhundert sind mehrere Ortsnamen überliefert, die auf die Anwesenheit von „Osz“ hinweisen, so <i><span lang="hu">Oszlár</span></i> und <i><span lang="hu">Uzlari</span></i> als Wurzel des späteren Namens <a href="Tiszaeszl%C3%A1r" title="Tiszaeszlár">Tiszaeszlár</a>.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die Beziehungen zwischen diesen <i>Osz</i> und den ab 1318 in den ungarischen Quellen genannten <i>Jasz</i>, bleiben unklar und umstritten. Wenn es sich nicht unmittelbar um Vertreter derselben Gruppe gehandelt hat, ist eine indirekte Beziehung wahrscheinlich.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Mangels alanischer Quellen sind die Namen aber nur aus Fremdbezeichnungen hypothetisch zu rekonstruieren.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die Bezeichnung <i>Ās</i> ist bis ins 13. Jahrhundert auch für eine regionale Gruppe der nordkaukasischen Alanen überliefert.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Mittelalterlich-ungarische Quellen nannten die Jász lat. <i>Iazones/Iasones</i>, oder aus biblischer Vorstellung fälschlich <i><a href="Philister" title="Philister">Philistei</a></i>.<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Das erstmals 1323, vorwiegend aber erst in der Neuzeit verwendete „Jazygen“, das eine Herkunft von den antiken Jazygen suggeriert, geht auf eine antikisierende Legende (ähnlich der angeblichen Kontinuität der Ungarn von den <a href="Hunnen" title="Hunnen">Hunnen</a>) zurück; geschichtswissenschaftlich ist seit langem nachgewiesen, dass die Jász im Mittelalter nach Ungarn einwanderten, als die Jazygen lange nicht mehr existierten.<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Frühere_Sprache"><span id="Fr.C3.BChere_Sprache"></span>Frühere Sprache</h2></div>
<p>Die einzige literarische Aufzeichnung der jassischen Sprache wurde 1958 in der ungarischen <a href="Sz%C3%A9ch%C3%A9nyi-Nationalbibliothek" title="Széchényi-Nationalbibliothek">Széchényi-Nationalbibliothek</a> gefunden: eine kurze Vokabel-Liste von 1422 mit 40 meist landwirtschaftlichen Wörtern mit lateinischer, seltener ungarischer Übersetzung. Die Sprache wurde mit der Hilfe der ossetischen Analogie rekonstruiert.<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Schon vor der Entdeckung dieser Wortliste war aus der Auswertung von Personennamen, z. B. auf einer Urkunde 1323 und auf einem <a href="Osmanisches_Reich" title="Osmanisches Reich">osmanischen</a> Steuerregister aus Jászság von 1550 relativ klar, dass die Jász im Gegensatz zu den zeitgleich nach Ungarn eingewanderten <a href="Kumanen_in_Ungarn" class="mw-redirect" title="Kumanen in Ungarn">Kumanen in Ungarn</a> und den etwas eher eingewanderten <a href="Petschenegen" title="Petschenegen">Petschenegen</a>, die beide <a href="Turksprachen" title="Turksprachen">turksprachig</a> waren, ursprünglich einen <a href="Iranische_Sprachen#Nordost-Iranisch" title="Iranische Sprachen">nordostiranischen</a> Dialekt verwendeten, der dem Alanisch-Ossetischen nahesteht.<sup id="cite_ref-9" class="reference"><a href="#cite_note-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Seit Ende des 16./Beginn des 17. Jahrhunderts gibt es keine Hinweise mehr auf diese Sprache, die offenbar vom Ungarischen verdrängt wurde, auch die seitdem verwendeten Namen der Jász sind ungarisch.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Geschichte_in_Ungarn">Geschichte in Ungarn</h2></div>
<p>Die Anwesenheit von Jász und Kumanen (ungarisch <i>Kun</i>, Pl. <i>Kunok</i>) im <a href="K%C3%B6nigreich_Ungarn" title="Königreich Ungarn">Königreich Ungarn</a> war Ergebnis von Fluchtwellen ab den 1220er Jahren vor dem <a href="Mongolensturm" title="Mongolensturm">Mongolensturm</a> aus den Steppen östlich von Ungarn. Anfangs siedelten sie sich in verschiedenen Teilen des Landes an. König <a href="B%C3%A9la_IV." class="mw-redirect" title="Béla IV.">Béla IV.</a> förderte in den 1240er Jahren die Ansiedlung in der dünn besiedelten <a href="Gro%C3%9Fe_Ungarische_Tiefebene" title="Große Ungarische Tiefebene">Tiefebene</a> östlich von <a href="Buda" title="Buda">Buda</a>, um die Hauptstadt nach den <a href="Geschichte_Ungarns#Königreich_Ungarn" title="Geschichte Ungarns">mongolischen Verwüstungen in Ungarn</a> besser vor <a href="Mongolisches_Reich" title="Mongolisches Reich">mongolischen</a> Angriffen schützen zu können. Etwa 100 Jahre später erhielten die Jász sogar eine autonome privilegierte Selbstverwaltung im ungarischen Feudalsystem. Zu diesen autonomen Privilegien gehörten der gemeinschaftliche Landbesitz in Jászság, die Befreiung von einigen Sondersteuern und Zöllen, die Befreiung von Abgaben, Frondiensten und <a href="Leibeigenschaft" title="Leibeigenschaft">Leibeigenschaft</a> für den <a href="Adel#Ungarn" title="Adel">ungarischen Adel</a> und das Privileg, interne juristische Angelegenheiten nach ihren Traditionen (<i>iudex Philisteorum seu Iazonorum</i>=„Recht der Philister oder Jassen“)<sup id="cite_ref-11" class="reference"><a href="#cite_note-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> selbst zu regeln. Nur eine gemeinschaftliche Abgabe an den ungarischen König musste entrichtet werden. Im Gegenzug hatten sie dem König bewaffnete Truppenaufgebote zu stellen, die unter dem Kommando ihrer gewählten „Kapitäne“ (ungarisch <i>kapitány</i>), die vom <a href="Palatin_(Ungarn)" title="Palatin (Ungarn)">ungarischen Palatin</a> bestätigt werden mussten, standen. Die älteste erhaltene schriftliche Kodifikation der regionalen Privilegien der Jász stammt von 1323, 1366 und 1465 folgten Erweiterungen, man nimmt aber an, dass es schon eher Vorrechte gab.<sup id="cite_ref-12" class="reference"><a href="#cite_note-12"><span class="cite-bracket">[</span>12<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Interne und juristische Angelegenheiten regelten 18 jassische Clanoberhäupter und drei gewählte Kapitäne (im 19. Jahrhundert existierten fünf, bei den Kumanen im Mittelalter sechs, im 19. Jahrhundert elf) in ihren Bezirkshauptorten („Stühle“, lat. <i>sedes</i>, ungarisch <i>szék</i>, Plural <i>székek</i>). Schon im Spätmittelalter wurden zunehmend ungarische Adelige und nicht mehr nur jassische Clanchefs zu Kapitänen gewählt.<sup id="cite_ref-13" class="reference"><a href="#cite_note-13"><span class="cite-bracket">[</span>13<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Ganz ähnliche kollektive autonome Privilegien erhielten im 13. Jahrhundert in Zentralungarn auch die zahlreicheren Kumanen und in Grenzgebieten die ungarischen Grenzsiedler der <a href="Szekler" title="Szekler">Szekler</a>, die <a href="Siebenb%C3%BCrger_Sachsen" title="Siebenbürger Sachsen">Siebenbürger Sachsen</a> und die <a href="Zipser_Sachsen" title="Zipser Sachsen">Zipser Sachsen</a>.
</p><p>Während der <a href="T%C3%BCrkenkriege" title="Türkenkriege">Türkenkriege</a> ab 1526, besonders dem <a href="Erster_%C3%96sterreichischer_T%C3%BCrkenkrieg" title="Erster Österreichischer Türkenkrieg">Ungarischen Bürgerkrieg</a> (nach der <a href="Schlacht_bei_Moh%C3%A1cs_(1526)" title="Schlacht bei Mohács (1526)">Schlacht bei Mohács</a> und der <a href="Erste_Wiener_T%C3%BCrkenbelagerung" title="Erste Wiener Türkenbelagerung">ersten türkischen Belagerung von Wien</a>) fiel Jászság unter direkte <a href="Osmanisches_Reich" title="Osmanisches Reich">osmanische</a> Herrschaft Süd- und Mittelungarns des <a href="Eyalet" class="mw-redirect" title="Eyalet">Eyalet</a> von Buda, später von <a href="Eger_(Ungarn)" title="Eger (Ungarn)">Eger</a>. Damals wurde ein großer Teil der Jász vertrieben oder verließ freiwillig Haus und Hof. Die folgenden, fast permanenten, auch von irregulären Truppen ausgetragenen Grenzkriege zwischen den drei Teilen Ungarns, Osmanisch-Ungarn, <a href="K%C3%B6nigliches_Ungarn" title="Königliches Ungarn">Königliches Ungarn</a> und <a href="Siebenb%C3%BCrgen#16._und_17._Jahrhundert" title="Siebenbürgen">Fürstentum Siebenbürgen</a> führten zur weiteren Entvölkerung. Die Privilegien der Jassen und Kumanen wurden in osmanischer Zeit abgeschafft.
</p>
<p>Nach der Eroberung Osmanisch-Ungarns im <a href="Gro%C3%9Fer_T%C3%BCrkenkrieg" title="Großer Türkenkrieg">Großen Türkenkrieg 1683–99</a> kehrten einige Nachfahren der Jász und Kun zurück und traten für die Wiederherstellung ihrer alten regionalen Privilegien ein. Es gibt keine Hinweise, dass die wohl schon vorher rückläufig gebrauchte alte Sprache der Jász nach der osmanischen Zeit noch existierte, der letzte bekannte Sprecher der <a href="Turksprache" class="mw-redirect" title="Turksprache">Turksprache</a> der ungarischen Kumanen starb 1770<sup id="cite_ref-14" class="reference"><a href="#cite_note-14"><span class="cite-bracket">[</span>14<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>. Nicht nur sprachlich, auch ethnologisch-kulturell hatten sich die Nachkommen-Familien durch Kontakte und Eheschließungen der ungarischen Umgebung angeglichen. Sie mussten jedoch ihr Land zurückkaufen, da <a href="Leopold_I._(HRR)" title="Leopold I. (HRR)">Leopold I.</a> dieses zwischenzeitlich an den <a href="Deutscher_Orden" title="Deutscher Orden">Deutschen Orden</a> als Königslehen verkauft hatte. Nach Sammlung und Übergabe von letztlich über 500.000 <a href="Forint" title="Forint">Forint</a><sup id="cite_ref-15" class="reference"><a href="#cite_note-15"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> (Gulden) setzte <a href="Maria_Theresia" title="Maria Theresia">Maria Theresia</a> die Nachkommen-Familien der Jassen und Kumanen in ihre alten regionalen Privilegien verbunden mit der Heerespflicht wieder ein, wozu am 6. Mai 1745 das „Redemptio-Diplom“ erlassen wurde (lat. <i>redemptio</i>=„Erlösung“ oder „Freikauf“). Die Jassen und Kumanen stellten bis ins 19. Jahrhundert oft gemeinsame Regimenter, die unter dem Kommando regionaler Kapitäne und jassisch-kumanischer Hauptkapitäne (ungarisch <i>Jászkun főkapitány</i>) standen.
</p><p>Zu Beginn der Regierungszeit von <a href="K%C3%A1lm%C3%A1n_Tisza" title="Kálmán Tisza">Kálmán Tisza</a> wurden die Sonderrechte der Jazygen und Kumanen 1876 abgeschafft, mit dem Ziel, alle nichtslawischen und nichtromanischen Minderheiten mit dem ungarischen „<a href="Staatsvolk" title="Staatsvolk">Staatsvolk</a>“ zu verschmelzen bzw. zu „<a href="Magyarisierung" title="Magyarisierung">magyarisieren</a>“. Jazygien und Großkumanien wurden mit dem Komitat Szolnok zum <a href="Komitat_J%C3%A1sz-Nagykun-Szolnok_(historisch)" title="Komitat Jász-Nagykun-Szolnok (historisch)">Komitat Jász-Nagykun-Szolnok</a> vereinigt. Die seit längerem ungarischsprachigen Jassen und Kumanen, die vorher aufgrund der Privilegien in österreichischen und ungarischen offiziellen Statistiken meist als eigene Nationalitäten gezählt wurden, galten von nun an als Teil der ungarischen Nationalität.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Jassen_im_Fürstentum_Moldau_und_anderen_Balkanländern"><span id="Jassen_im_F.C3.BCrstentum_Moldau_und_anderen_Balkanl.C3.A4ndern"></span>Jassen im Fürstentum Moldau und anderen Balkanländern</h2></div>
<p>Ab Mitte des 14. Jahrhunderts ist auch die Anwesenheit von Jassen im neu entstandenen <a href="F%C3%BCrstentum_Moldau" title="Fürstentum Moldau">Fürstentum Moldau</a> belegt, wo sie in der ersten Hauptstadt <a href="Baia_(Suceava)" title="Baia (Suceava)">Baia</a>, später in der Handelsstadt und letzten Hauptstadt <a href="Ia%C8%99i" title="Iași">Iași</a> angesiedelt wurden. Iași (in mittelalterlichen deutschsprachigen Quellen „Iasmarkt“, bei <a href="Johannes_Schiltberger" title="Johannes Schiltberger">Schiltberger</a> „Iasbasar“, in russischen Quellen <i>Яскый торг/Jasskyj torg</i>, lat. <i>Forum Filistinorum</i>, ungarisch bis heute <i>Jászvásár</i>, alles bedeutet „Jassenmarkt“) hat seinen Namen von diesen jassischen Siedlern. Wahrscheinlich hatte sie der aus der ungarisch beherrschten <a href="Maramuresch" class="mw-redirect" title="Maramuresch">Maramuresch</a> stammende rumänische Voievode Dragoș der Gründer (1351–63) neben zahlreichen weiteren rumänischen, ungarischen und sächsischen Gefolgsleuten und Siedlern aus Ungarn geholt und begründete hier mit rumänischen, armenischen, slawisch-russischen u. a. Siedlern und Vorbewohnern das Fürstentum auch mit der Hilfe Ungarns, das an einem Pufferstaat in die östlichen Steppen interessiert war.<sup id="cite_ref-16" class="reference"><a href="#cite_note-16"><span class="cite-bracket">[</span>16<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Diese Jassen lassen sich seit dem 16. Jahrhundert in Quellen nicht mehr beobachten und wurden wohl in die rumänische Mehrheitsbevölkerung <a href="Assimilation_(Soziologie)" title="Assimilation (Soziologie)">assimiliert</a>. Es gilt als sicher, dass die Durchsetzung der orthodoxen Staatskirche in Moldau seit <a href="Alexandru_cel_Bun" title="Alexandru cel Bun">Alexander dem Guten</a> (1400–1432) und besonders <a href="%C8%98tefan_cel_Mare" title="Ștefan cel Mare">Stefan dem Großen</a> (1457–1504) und seinen Nachfolgern die Rumänisierung der anfangs multikulturellen Bevölkerung in vorwiegend rumänischsprachigen orthodoxen Kirchgemeinden – mit Ausnahme der in entlegenen Regionen lebenden katholisch-ungarischen <a href="Cs%C3%A1ng%C3%B3" class="mw-redirect" title="Csángó">Csángó</a>, der an der <a href="Armenische_Apostolische_Kirche" title="Armenische Apostolische Kirche">eigenen Kirche</a> festhaltenden <a href="Armenier" title="Armenier">Armenier</a> (siehe <a href="Armenische_Diaspora_in_Europa#Armenier_in_den_rumänischen_Donaufürstentümern" title="Armenische Diaspora in Europa">Armenier in Moldau und der Walachei</a>) und einige <a href="Judentum" title="Judentum">Juden</a> – förderte.<sup id="cite_ref-17" class="reference"><a href="#cite_note-17"><span class="cite-bracket">[</span>17<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Weil die moldauischen Jassen im Gegensatz zu den ungarischen keine feudalen Privilegien besaßen, blieben sie auch nicht so lange unterscheidbar.
</p><p>Nach Ortsnamen gab es im Spätmittelalter noch in anderen Regionen Ungarns und der Balkanländer kleinere jassische Gruppen, an die heute sonst nichts mehr erinnert. Quellen erwähnen im 13. und 14. Jahrhundert Jassen im <a href="F%C3%BCrstentum_Walachei" title="Fürstentum Walachei">Fürstentum Walachei</a> und im <a href="K%C3%B6nigreich_von_Widin" class="mw-redirect" title="Königreich von Widin">Königreich von Widin</a><sup id="cite_ref-18" class="reference"><a href="#cite_note-18"><span class="cite-bracket">[</span>18<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>, deren Teilnahme beispielsweise an der <a href="Schlacht_von_Welbaschd" class="mw-redirect" title="Schlacht von Welbaschd">Schlacht von Welbaschd</a> überliefert ist.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Erbe_in_der_Gegenwart">Erbe in der Gegenwart</h2></div>
<p>Die Jász sind heute vorwiegend eine historische Erinnerung, wenn auch der Name alle Bewohner der Region Jászság bezeichnen kann. Orte wie <a href="J%C3%A1szber%C3%A9ny" title="Jászberény">Jászberény</a>, Jászladány, Jászapáti, Jászárokszállás, Jászdózsa, Jászágó, Jászjákóhalma, Jászfelsőszentgyörgy, Jászalsószentgyörgy, Jászfényszaru und Jászkisér erinnern an die Jassen. Es wird noch immer jassische Kultur gepflegt, die Modernisierung und die Bewässerung der <a href="Puszta" title="Puszta">Puszta</a> (ungarischer Teil der <a href="Eurasische_Steppe" title="Eurasische Steppe">eurasischen Steppen</a>) hat einige Hirtentraditionen zurückgedrängt, die Jász waren auch im Mittelalter aber nie allein nomadische Viehzüchter. Seit 1874 existiert in Jászberény ein <i>Jász Múzeum</i>. Seit dem Ende der sozialistischen Zeit bildeten sich auch einige Jász-Traditionsverbände. Es finden Kultur- und Regionalfestivals statt, wie z. B. seit 1993 das jährliche „Welttreffen der Jász“ (ungarisch <i>Jász Világtalálkozó</i>).
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Nathalie Kálnoky: <a rel="nofollow" class="external text" href="http://droitcultures.revues.org/615#tocto3n5"><i>Des princes scythes aux capitaines des Iasses. Présence iranienne dans le royaume de Hongrie aux travers des chroniques médiévales et des privilèges des peuples auxiliaires militaires.</i></a> in: Revue internationale interdisciplinaire, Droits et cultures, 52 (2/2006), S. 65–84.</li>
<li>Ronald Kim: <a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.jstor.org/stable/view/3217844?seq=13"><i>On the Historical Phonology of Ossetic.</i></a> In: <i>Journal of the American Oriental Society,</i> Bd. 123, Nr. 1. (Januar–März 2003), S. 43–72.</li>
<li><a href="Gyula_Krist%C3%B3" title="Gyula Kristó">Gyula Kristó</a>: <i>Nem magyar népek a középkori Magyarországon.</i> Budapest 2003</li>
<li>Gyula Kristó: <i>Nichtungarische Völker im mittelalterlichen Ungarn.</i> Gabriele Schäfer Verlag, Herne 2008, ISBN 978-3-933337-61-0</li>
<li>András Pálóczi-Horváth: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://de.scribd.com/doc/97341410/Pechenegs-Cumans-Iasians-Steppe-Peoples-in-Medieval-Hungary-Hereditas"><i>Pechenegs, Cumans, Iasians. Steppe peoples in medieval Hungary.</i></a> Budapest 1989.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.jaszmuzeum.hu/">Seite des Jász Múzeum in Jászberény</a> (ungarisch)</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.jaszokegyesulete.hu/?menu=legfrissebb">Webseite der Jász-Traditionsverbände</a> (ungarisch)</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Fußnoten"><span id="Fu.C3.9Fnoten"></span>Fußnoten</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Pálóczi-Horváth, S. 65.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Gyula Kristo: <i>Nichtungarische Völker im mittelalterlichen Ungarn.</i> Gabriele Schäfer Verlag. Herne 2008, S. 258. Man beachte in diesen frühen Nennungen die offenbar turksprachige Pluralbildung mit „-lar“</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Gyula Kristo: <i>Nichtungarische Völker im mittelalterlichen Ungarn.</i> Gabriele Schäfer Verlag. Herne 2008, S. 258-259 – Kristo optiert für eine Identität beider gegenüber den Alanen, deren Sprache in den zeitgenössischen Quellen als <i>varsány</i> bezeichnet werde. Nach Gewährsauskunft Kristo an selber Stelle gehen andere Autoren davon aus, dass die frühen Ortsnamen auf andere Alanen zurückgehen, als die erst später eingewanderten Jász.</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Agustí Alemany: <a rel="nofollow" class="external text" href="http://books.google.de/books/about/Sources_on_the_Alans.html?id=8bZ4c5oZpNAC&redir_esc=y"><i>Sources on the Alans. Critical Compilation</i></a> (in <i><a href="Handbuch_der_Orientalistik" title="Handbuch der Orientalistik">Handbuch der Orientalistik</a>.</i> Abteilung 8: <i>Handbook of Uralic Studies.</i> Band 5). Leiden u. a. 2000, beschäftigt sich am Anfang sehr ausführlich mit den in Quellen verwendeten Namen, zum Namen <i>Ās</i> vgl. S. 5–10.</span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text">Vgl. Alemany in letzter Fußnote. Der Kaukasushistoriker Arthur Tsutsiev hat die in Fremdbezeichnungen hypothetisch rekonstruierbaren regionalen Namen <a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.iriston.com/books/cuciev_-_etno_atlas/maps/map46.jpg">auf dieser Karte (russisch) dargestellt.</a> Die Namen im schraffierten Gebiet lauten (von West nach Ost) <i>Alon</i>, <i>As-Digor</i>, <i>Digor</i>, <i>Ir</i> und im Südosten <i>Tual</i>. Die Namen <i>Ir(on)</i>, <i>Digor</i> und <i>Tual(laeg)</i> sind bis heute für ossetische Teilgruppen üblich, die Namen <i>As</i> und <i>Alon</i> (Alan) dagegen seit dem 13. Jahrhundert nicht mehr nachweisbar. Tsutsievs historischer Atlas wurde 2014 <a rel="nofollow" class="external text" href="https://books.google.de/books?id=NHeaAwAAQBAJ&pg=PR11&dq=arthur+tsutsiev+caucasus&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiaoeK9laPQAhVLPhQKHYq-C8oQ6AEIJjAA#v=onepage&q=arthur%20tsutsiev%20caucasus&f=false">bei Yale University Press auch englisch übersetzt</a>.</span>
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<li id="cite_note-6"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-6">↑</a></span> <span class="reference-text">Pálóczi-Horváth, S. 64–65.</span>
</li>
<li id="cite_note-7"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-7">↑</a></span> <span class="reference-text">Kálnoky, Abs. 19, Pálóczi-Horváth, S. 64.</span>
</li>
<li id="cite_note-8"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-8">↑</a></span> <span class="reference-text">Auf Deutsch erstmals veröffentlicht: János Nemeth: <i>Eine Wortliste der Jassen, der ungarländischen Alanen.</i> Berlin 1959, seitdem zahlreiche Veröffentlichungen. Die Vokabeln z. B. einsehbar in <a href="Ludwig_Alexejewitsch_Tschibirow" title="Ludwig Alexejewitsch Tschibirow">Ludwig Alexejewitsch Tschibirow</a>. <a rel="nofollow" class="external text" href="http://iratta.com/2007/07/22/dorogami_alan_na_zapad.html">„Der Weg der Alanen nach Westen“ in: S.P. Tabalowa: „Die Alanen. Geschichte und Kultur.“ Moskau 1995.</a> (russisch, abgedruckt im 5. Kapitel, fett geschrieben: das erste Wort Jassisch, danach die Übersetzungen, meist auf Latein, einige wenige, wie „vaj“ und „fött“ auf Ungarisch; danach die Bedeutung auf Russisch).</span>
</li>
<li id="cite_note-9"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-9">↑</a></span> <span class="reference-text">Pálóczi-Horváth, S. 66–67.</span>
</li>
<li id="cite_note-10"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-10">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.jaszmuzeum.hu/node/168">Beschreibung auf der Seite des Jász Múzeum</a> (ungarisch).</span>
</li>
<li id="cite_note-11"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-11">↑</a></span> <span class="reference-text">Kálnoky, Absatz 37.</span>
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<li id="cite_note-12"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-12">↑</a></span> <span class="reference-text">Pálóczi-Horváth, S. 62–67</span>
</li>
<li id="cite_note-13"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-13">↑</a></span> <span class="reference-text">Kálnoky, Abs. 33–38.</span>
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<li id="cite_note-14"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-14">↑</a></span> <span class="reference-text">Ein gewisser István Varró aus <a href="Karcag" title="Karcag">Karcag</a>, mit dem die aussterbende Sprache noch erforscht wurde: Sévérien Salaville: <i><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.persee.fr/doc/rebyz_1146-9447_1914_num_17_106_4136">Un peuple de race turque christianisé au XIIIe siècle: les Comans.</a></i> in: Échos d’Orient 1914, Bd. 17, Nr. 106, S. 193–208 (vorletzter Absatz und letzte Fußnote).</span>
</li>
<li id="cite_note-15"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-15">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="http://vfek.vfmk.hu/00000113/04_26fej.htm">Text über die jassisch-kumanische Redemptio auf der Webseite des Komitats Jász-Nagykun-Szolnok</a> (ungarisch).</span>
</li>
<li id="cite_note-16"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-16">↑</a></span> <span class="reference-text">Eintrag „Jassy“ (zur mittelalterlichen Geschichte der Stadt Iași) in <a href="LexMA" class="mw-redirect" title="LexMA">LexMA</a>, Bd. V, Kol. 308–309.</span>
</li>
<li id="cite_note-17"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-17">↑</a></span> <span class="reference-text">Vgl. z. B. Emanuel Turczynski: <i>Geschichte der <a href="Bukowina" title="Bukowina">Bukowina</a> in der Neuzeit. Zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte einer mitteleuropäisch geprägten Landschaft.</i> Wiesbaden 1993, S. 18–25 (hier vorwiegend zur Geschichte der Moldauer Sachsen).</span>
</li>
<li id="cite_note-18"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-18">↑</a></span> <span class="reference-text">Pálóczi-Horváth, S. 65.</span>
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